P&P Rollenspiele erfreuen sich unter ihren Fans einer großen Beliebtheit. Außerhalb der Gruppe der Rollenspieler sind sie eher unbekannt, darum stelle ich diese Spielform zunächst einmal vor.
Was ist P&P Rollenspiel?
Als P&P Rollenspiel bezeichnet man eine bestimmte Art von Regelspiel, dessen hauptsächliche Spielmaterialien aus einem Stift und einem Blatt Papier bestehen. Da diese Spielform zuerst in englischsprachigen Gegenden an Beliebtheit gewann, entstand aus Pen and Paper Games das P&P Rollenspiel.
Anders als bei typisch deutschen Brettspielen gibt es kein Spielbrett. Ein anderer Unterschied besteht darin, dass die Spieler miteinander statt gegeneinander spielen, und dass einer der Spieler nicht selbst am Spiel teilnimmt, sondern eine Art Meta Rolle einnimmt. Im Englischen nennt man diesen Spieler Dungeon Master, in Deutschland ist neben dem “Meister” auch der neutralere Begriff des Spielleiters gebräuchlich.
Im P&P Rollenspiel wird eine Geschichte erzählt. Der Spielleiter ist der einzige, der die Geschichte kennt. Seine Aufgabe ist es, seinen Spielern diese Geschichte näher zu bringen. Dazu muss er nicht nur die Hauptfiguren kennen sondern auch Beziehungsgeflechte zwischen Figuren, er weiß wie die Orte der Geschichte aussehen, ja er kennt sogar politische, kulturelle und militärische Gegebenheiten. Sein Ziel ist es, den Spielern seine Geschichte so glaubhaft zu vermitteln, dass sie sich mitten drin fühlen. Sein einziges Mittel dazu ist die Erzählung. P&P Rollenspiele finden also im Gespräch statt.

Ein Wallpaper zum P&P Rollenspiel "Das Schwarze Auge"
Nun ist P&P, wie der Name schon sagt ein Spiel, kein Hörbuch. Der entscheidente Punkt ist, dass die Geschichte nicht vorgefertigt abläuft, sondern die Spieler jeweils eine Figur in dieser Welt repräsentieren. Mit dieser Figur können sie Einfluss auf die Geschichte nehmen und sie nach ihren Wünschen verändern. Damit wird aus dem einseitigen Gespräch ein Dialog.
Ein typisches Merkmal des Spieles ist es, dass die Spieler nicht wertneutral von außen beschreiben, wie sie die Geschichte beeinflussen, sondern aus der Ich Perspektive. Sie versetzen sich in ihre Spielfigur hinein und denken, handeln und reden wie sie. Damit kommen wir an den Punkt, warum P&P Rollenspiele so faszinieren: Die Spieler tauchen für eine Weile in eine fantastische Welt voll Abenteuer, Geheimnissen und Gefahren. Sie spielen nicht nur eine Figur dieser Welt, sie sind darin, sie selbst erleben all das. Wer schon einmal einen Film gesehen oder ein Buch gelesen hat kennt bestimmt das Gefühl, wenn die Hauptfigur etwas tut, von dem wir ganz genau wissen, dass es falsch ist. Wir möchten ihr zuschreien: “Tu das nicht!” Doch wir haben keinen Einfluss auf sie. Im P&P Rollenspiel können wir tatsächlich entscheiden, was die Figur macht.
Ein Element von P&P Rollenspiele, das ich erst am Schluss nennen möchte sind die Regeln. Zunächst einmal braucht es überhaupt keine Regeln um ein solches Spiel zu spielen. Eine schöne Geschichte reicht. Allerdings zeigt sich schnell, dass Regeln durchaus sinnvoll sind und den Spielspaß erhöhen können. In unserer realen Welt gibt es Naturgesetzte, welche unsere Handlungen einschränken. Ein Sprung über eine 10 Meter breite Schlucht wäre für einen Durchschnittsmenschen nicht zu schaffen. Für eine Gazelle vielleicht schon. Was passiert aber nun, wenn in einer Spielszene ein Spieler über besagte Schlucht springen möchte? Wenn sie nur 4 Meter breit ist wird er es vielleicht schaffen. Aber was ist bei fünf Meter oder sieben Meter? Wenn es keine Regeln gibt, liegt die Entscheidung beim Spielleiter. Er kann den Spieler nach seinen Einschätzungen abstürzen oder auch heil auf der anderen Seite ankommen lassen. Viele Spiele nehmen dem Spielleiter diese oft schwierigen Entscheidungen ab, in dem sie den Spielfiguren Fähigkeiten zuschreiben, welche sich messen lassen. Eine tpyische Fähigkeit einer Spielfigur ist z.B. Kraft bzw. Stärke. Hat ein Spieler viele Punkte in dieser Fähigkeit, kann er einen schweren Stein hochheben. Eine schwache Spielfigur schafft dies dann nicht.
Das läuft in der Praxis folgendermaßen ab: Die Spielerin mit der Spielfigur “Conina die Barbarin” möchte zeigen, wie stark ihre Kriegerin ist. “Ich laufe auf den Felsbrocken zu und stelle mich davor. Ich packe ihn mit beiden Händen, und mit einem Ruck stemme ich ihn in die Höhe.” Der Spielleiter kann und muss nun in das Spiel eingreifen, denn noch steht nicht fest, ob Conina den Felsbrocken überhaupt hochheben kann. Er bittet die Spielerin von Conina zu würfeln. Auf ihrem Blatt sieht er, dass sie 17 Stärkepunkte hat. Wenn sie eine 17 oder weniger würfelt, wird ihr Kunststück gelingen. In vielen Spielen benutzt man einen 20-seitigen Würfel. Der Würfel zeigt eine 14. Der Spielleiter beschreibt, was nun passiert: “Du stemmst den Fels in die Höhe und zeigst ihn triumphierend deinen Freunden.” Eduard, der Magier, schaut der Situation zu. Er hat deutlich weniger Kraft und versucht erst gar nicht, den schweren Stein zu heben. Mit einer Stärke von 8 Punkten würde sein Würfelwurf wahrscheinlich nicht gelingen, was zur Folge hätte dass er den Stein nicht heben könnte oder schlimmer, sich dabei verletzen würde.
Die meisten P&P Rollenspiele haben heute ein weit umfangreiches Regelwerk, das aus mehreren Büchern besteht, und nicht nur Fähigkeiten für die Spielfiguren beinhaltet, sondern auch für die Spielewelt. Die Regeln simulieren gewissermaßen die Naturgesetzte. Viele Spiele enthalten zusätzlich noch zahlreiche Bücher mit Beschreibungen der Spielewelt. So findet man Tier- und Pflanzenlexikas, die unserer realen Werke in Umfang und Inhalt kaum nachstehen – nur dass die beschrieben Wesen frei erfunden sind. Weiterhin gibt es Bücher, die Geschichten für den Spielleiter enthalten, so dass dieser sich keine ausdenken muss. Diese Geschichten enthalten dann auch Tipps, wie man Spielsituationen spannend erzählt und wie der Spielleiter in bestimmten Situationen reagieren kann.

DSA Regelbox, 3. Regeledition
Seit dem Beginn der P&P Rollenspiele Anfang der 80er Jahre haben sich viele verschiedene Spielsysteme entwickelt. Diese unterscheiden sich in der Art des Regelwerkes ( verschiedene Fähigkeiten, Simulationsansätze und Würfelvorgänge ) und dem Setting ( Fantasy, Science Fiction, Steam Punk, Endzeit ). Das P&P Rollenspiel mit dem weltweit größten Bekanntheitsgrad ist der Urvater der Spieleform, Dungeons & Dragons. Dieses Spiel erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit und ist ebenfalls als Filmumsetzung und als Computerspiel zu finden. In Deutschland hat sich neben D&D das deutsche DSA ( Das schwarze Auge ) durchgesetzt.