Menschen tun es. Schimpansen tun es. Aber auch Hunde, Katzen, Hamster und Delfine. Wir träumen und wir spielen. Es ist etwas, das wir mit Tieren gemeinsam haben, und Tiere mit uns verbindet.
Spiele und Träume sind sich ähnlicher, als es auf den ersten Blick scheint. Beides führt uns in eine Art virutelle Realität, einen Spielplatz voll unbegrenzter Möglichkeiten, im englischen auch Sandbox genannt. Während wir uns in dieser Fantasiewelt befinden, bekommen wir nur sehr eingeschränkt oder gar nicht mit, was in der Realität um uns herum geschieht. Vor einige Tagen war ich in einem Onlinespiel mit einigen mir fremden Spielern unterwegs. Plötzlich rief einer von ihnen erschrocken: “Oh sch***. Sorry Leute, ich muss weg. Ich sollte eigentlich schon seit einer Stunde auf Arbeit sein, voll verpennt auf die Uhr zu schauen.” Was in unserer Kultur einigen Ärger verursacht, kann für ein schlafendes Kaninchen bereits tödlich sein, wenn es den nahenden Fuchs nicht hört. Warum hat die Evolution etwas eingeführt, dass scheinbar so gefährlich, kontraproduktiv ist?
Spielen und Träumen kostet Zeit, viel Zeit. Zeit, in der sich ein Wesen in seiner biologischen Umwelt besser auf den Überlebenskampf konzentrieren könnte. In der eine Kultur ihre Zivilisation erweitern könnte. In der ein Individium arbeiten oder mit seiner Familie zusammen sein könnte. Wenn man einen Träumer oder Spieler aus seiner virtuellen Welt hinaus reißt reagiert er oft ungehalten, er empfindet die Störung als unangenehm. Irgend etwas muss wirklich wichtig an diesen beiden Dingen sein, wenn sie sich trotz aller negativer Auswirkungen so hartnäckig halten. Betrachten wir beides genauer, stellen wir fest, dass es bei allen höheren Tieren vorzufinden ist, über alle Kulturen und Altersklassen hinweg. Bei Kindern tritt es allerdings besonders häufig und lange auf.
Der Grund liegt darin, dass beide einen unersetzlichen Beitrag dazu leisten, die Welt zu verstehen und sich in ihr zurecht zu finden. Im Traum und im Spiel können wir die Welt begreifen und sie verändern. Vor allem Kinder träumen oft davon fliegen zu können und ändern damit die tatsächlichen physikalischen Gesetze um. Dinge gefahrlos ausprobieren zu können ist ein wesentliches Merkmal und war sicher für unsere Vorfahren von entscheidender Bedeutung. Doch nicht nur das Verhalten mit lebensbedrohenden Situationen und Gefahren für Leib und Leben kann dort risikofrei erprobt werden. Auch in unserer modernen Welt ist das Spiel mit Rollen, das Übernehmen anderer Sichtweisen und das Ausprobieren von verbotenem Verhalten vor allem in Träumen und im Spiel möglich. Damit leisten beide einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung emotionaler Intelligenz, die gerade auf die Fähigkeit aufbaut, sich in andere Menschen hinein versetzen zu können. Die Möglichkeit, im Alltag aufgestaute Aggressionen abzubauen helfen uns, Stress abzubauen und unsere Psyche zu entlasten.
Träume und Spiele nehmen für das Lernen eine entscheidende Rolle ein. Im Traum und im Spiel trainieren wir neues Wissen und sorgen so dafür, dass es einen festen Platz im Langzeitgedächtnis erhält. Die positive Grundstimmung von angenehmen Träumen und Spielen erleichtert uns das Lernen noch. Der Sandbox Charakter ermöglicht uns, nicht nur bekanntes Wissen zu festigen, sondern Probleme aus neuen Perspektiven zu betrachten. So haben wir oft das Gefühl etwas gefunden zu haben, dass wir die ganze Zeit schon vor uns gesehen hatten aber nicht fassen konnten. So ist es nicht verwunderlich, dass gerade Träume und Spiele ein wichtiger Ausgangspunkt für Kreativität sind.
Wenn ihr also das Gefühl habt, dass euch die Arbeit über den Kopf wächst oder das Lernen überhaupt nicht vorangehen will – legt eine Pause ein. Ob ihr euch nun gemütlich zu einem Mittagsschlaf in die Sonne legt oder eine Runde zusammen mit Freunden spielt, beides befreit den Kopf von unnötigem Ballast und erleichtert das Weiterarbeiten danach.